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medical relations GmbH: Erinnerungen an eine besondere Agentur

Manche beruflichen Stationen prägen Dich besonders, auch wenn sie zeitlich nur einen kleineren Teil Deines Weges ausmachen. Die medical relations GmbH, eine ehemalige Agentur für Healthcare-PR aus Langenfeld bei Düsseldorf, ist für mich eine solche Station.

Ich, Oliver Löw (Gründer und Geschäftsführer von DocRelations), habe von 2008 bis 2010 als PR-Berater bei medical relations gearbeitet. In dieser Zeit betreute ich vor allem den Kunden Pfizer und die Kampagne „Rauchfrei durchstarten!“, an der auch Reinhold Messner beteiligt war. Die gut zwei Jahre bei medical relations haben meinen weiteren beruflichen Weg stark geprägt. Bis heute denke ich gerne an die damaligen Projekte und vor allem an die Kolleginnen und Kollegen zurück. Umso bedauerlicher finde ich es, dass medical relations nach einer beeindruckenden Agenturgeschichte von mehr als 40 Jahren Ende 2024 Insolvenz anmelden musste.

Aus alter Verbundenheit und Dankbarkeit für diese sehr lehrreiche Zeit möchte ich medical relations mit diesem Beitrag einen kleinen „Nachruf“ widmen und an die Geschichte und Erfolge der Agentur erinnern. Natürlich können 40 Jahre Agenturgeschichte in einem einzelnen Blogartikel nur sehr stark reduziert erzählt werden.

Vorab noch ein Hinweis: Die Domain medical-relations.de wurde im Zuge der Insolvenz frei. Ich habe sie anschließend erworben, um sie zu erhalten und die Geschichte von medical relations nicht einfach verschwinden zu lassen. Heute führt die Domain direkt zu diesem Blogartikel. Er richtet sich insbesondere an ehemalige Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich (wie ich) gerne an die gemeinsame Zeit, die Menschen und die Projekte bei medical relations zurückerinnern.

Der Kopf und die Idee hinter medical relations

Dietmar Müller gründete medical relations im Jahr 1981

Am Anfang der Geschichte von medical relations steht Dietmar Müller. Im April 1981 gründete er die Agentur zu einer Zeit, in der Healthcare-PR noch eine vergleichsweise junge Disziplin war.

Dietmar Müller arbeitete zu dieser Zeit selbst als PR-Manager auf Industrieseite. Bei der Zusammenarbeit mit klassischen PR-Agenturen fiel ihm immer wieder auf, dass kommunikative Erfahrung allein für medizinische Themen häufig nicht ausreichte. Es fehlte an Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern, die neben PR-Know-how auch ein fundiertes Verständnis für Medizin und Wissenschaft mitbrachten.

Bei einer Kampagne zum Thema Bluthochdruck hatte er beispielsweise erlebt, dass selbst grundlegende medizinische Begriffe verwechselt wurden.

Daraus entstand die Idee, eine Kommunikationsagentur zu gründen, die beides miteinander verbindet: medizinisches Verständnis und professionelle Kommunikation.

Im April 1981 entstand so medical relations.

Die konsequente Spezialisierung auf das Gesundheitswesen war damals noch ungewöhnlich. Entsprechend interdisziplinär wurde auch das Team aufgebaut – mit Fachkräften aus Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und Kommunikation.

Der Anspruch war von Beginn an, komplexe medizinische Themen wirklich zu verstehen und daraus Kommunikation zu entwickeln, die für die jeweilige Zielgruppe verständlich und relevant ist (mehr dazu unter: https://www.healthreminder.de/news/mit-herz-und-verstand-2013-vier-jahrzehnte-erfolgreiche-healthcare-kommunikation).

Von der Healthcare-PR zur integrierten Kommunikation

In den ersten Jahrzehnten bedeutete Healthcare-Kommunikation vor allem klassische Pressearbeit. Fachzeitschriften, Tageszeitungen und Publikumsmedien spielten eine zentrale Rolle. Pressekonferenzen und der persönliche Kontakt zu Journalistinnen und Journalisten gehörten zum täglichen Agenturgeschäft.

medical relations entwickelte sich in diesem Umfeld zu einer etablierten Spezialagentur für Kommunikation im Gesundheitswesen.

Über die Jahre arbeitete die Agentur zunächst für Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, wie Pharma, Medizinprodukte, Medizintechnik, Kliniken und auch Versicherungen.

Auch das Themenspektrum wurde breiter. Neben Produkt-PR kamen Gesundheitsaufklärung, Disease Awareness, wissenschaftliche Kommunikation und Medienarbeit hinzu. Später gewannen digitale Kommunikationsformen und neue Kanäle zunehmend an Bedeutung.

Was sich dabei über lange Zeit hielt, war die Verbindung von medizinischem Fachwissen und Kommunikationskompetenz.

Namhafte Kunden aus der Pharmabranche

Im Laufe ihrer 40-jährigen Geschichte arbeitete medical relations für zahlreiche bekannte Unternehmen aus der Gesundheitsbranche.

Zu den öffentlich dokumentierten Kundenunternehmen und langjährigen Kundenbeziehungen gehören unter anderem:

Besonders weit zurück reicht die Zusammenarbeit mit Roche. Sie begann bereits in den 1990er-Jahren (mehr dazu unter: https://www.healthcaremarketing.eu/­_data/Healthcare_Marketing_05-2021_.pdf) und umfasste u.a. die Bereiche Rheumatologie, Infektiologie und Onkologie.

Ein gemeinsames Projekt war zum Beispiel die Roche-Informationskampagne „Setzen Sie ein Handzeichen gegen Krebs!“, an deren Erfolg medical relations einen großen Anteil hatte.

Über die Jahre entwickelte und begleitete medical relations unzählige Kampagnen und Kommunikationsprojekte zu unterschiedlichsten Themen und setzte damit wichtige Impulse für die Healthcare-PR in Deutschland.

Ein kleiner Auszug von Kampagnen, die in Erinnerung geblieben sind:

Tamiflu: Ausgezeichnete Kommunikation rund um die Grippe / Roche

Anfang der 2000er begleitete medical relations die Kommunikation rund um Tamiflu, damals als „die erste Pille gegen Grippe“ bezeichnet. Teil der Kampagne war eine digitale Influenza-Homepage, auf der sich die Entwicklung der Grippe in Deutschland tagesaktuell verfolgen ließ.

Damit verband die Agentur klassische PR mit einem für die damalige Zeit noch vergleichsweise neuen Ansatz: aktuelle medizinische Daten digital aufzubereiten und für Medien und Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auszeichnung: Deutscher PR-Preis 2003
Die Tamiflu-Kommunikation wurde in der Kategorie Kommunikationsmanagement ausgezeichnet (Quelle: Kress).

RealFlu: Ein eigenes digitales Frühwarnsystem / Roche

Mit RealFlu entwickelte medical relations ein eigenes Grippe-Frühwarnsystem, das aktuelle Informationen zur Grippeentwicklung digital darstellte.

Das Projekt steht auch für die frühe Beschäftigung der Agentur mit digitalen Kommunikationsinstrumenten. Später folgte mit mrAnalyst ein eigenes Tool zur Analyse von Medienresonanz.

Auszeichnung: „Innovatives PR-Tool“ 2004
RealFlu wurde für den innovativen Einsatz in der PR ausgezeichnet (Quelle: YUMPU).

„Rauchfrei durchstarten!“ mit Reinhold Messner / Pfizer

Für Pfizer begleitete medical relations die Kampagne „Rauchfrei durchstarten!“ mit Reinhold Messner als prominentem Unterstützer. Der Extrembergsteiger stand dabei für Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen und den Umgang mit Rückschlägen – Eigenschaften, die auf den persönlichen Weg zum Rauchstopp übertragen wurden.

Die Kampagne ging über klassische Pressearbeit hinaus: Eine Tour durch große Einkaufszentren (u.a. Berlin, Hannover, Köln, Nürnberg) verband Informationen mit persönlicher Motivation und interaktiven Angeboten. Besucherinnen und Besucher konnten beispielsweise ein individuelles Motivationsprofil für den Rauchstopp erstellen.

Rauchfrei durchstarten

Historisches Kampagnenmaterial aus der damaligen Pfizer-Kampagne „Rauchfrei durchstarten!“

Später wurde die Initiative mit den „Rauchfrei Runners“ weiterentwickelt. Prominente Botschafterin war Box-Weltmeisterin Regina Halmich. Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden über Facebook, Twitter und YouTube begleitet und konnten sich auf dem Weg in ein rauchfreies Leben gegenseitig unterstützen.

Mit dieser Kampagne verbinde ich auch eine persönliche Erinnerung: Während meiner Zeit bei medical relations durfte ich selbst daran mitarbeiten. Damals war ich einer von vielen PR-Beraterinnen und PR-Beratern im Team. Heute gehört sie zu den Projekten, an die ich mich aus dieser Zeit noch besonders gut erinnere.

Rheuma-Truck: Aufklärung auf Tour / Roche

2009 begleitete medical relations die Rheuma-Truck-Tour, die in 21 Städten im Rhein-Ruhr-Gebiet über entzündlich-rheumatische Erkrankungen informierte. Mehr als 3.200 Menschen nutzten dabei die Möglichkeit einer kostenfreien Frühdiagnose-Sprechstunde.

medical relations verantwortete die begleitende Medienarbeit und entwickelte unter anderem Logo, Flyer und Kampagnen-Website. Auch um die Umsetzung der Messetechnik rund um den Rheuma-Truck kümmerte sich die Agentur gemeinsam mit einem Messebauer.

In der Branche eine große Nummer

Die Entwicklung von medical relations zeigte sich nicht nur in einzelnen Kampagnen und Auszeichnungen. Die Agentur war über viele Jahre auch in Branchenrankings vertreten.

2006 war das bis dahin erfolgreichste Geschäftsjahr in der Geschichte von medical relations. Mit einem Gesamtumsatz von mehr als fünf Millionen Euro erreichte die Agentur einen neuen Höchststand. Gleichzeitig wuchs das Team auf 30 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit auf den bis dahin höchsten Personalstand der Firmengeschichte.

Ebenfalls im Jahr 2006 erreichte die Agentur im damaligen prmagazin-Agenturbarometer Platz 5 der bewerteten Agenturen (Quelle: Healthcare Marketing).

Im Pfeffer-Ranking 2020 belegte medical relations mit 22 Mitarbeitenden und einem Healthcare-Honorar von 3,26 Millionen Euro Platz 12 der umsatzstärksten Agenturen im Segment Gesundheit.

Darüber hinaus engagierte sich medical relations auch innerhalb der Kommunikationsbranche und war beispielsweise Sponsor des Healthcare-Preises bei den PR Report Awards 2008 (Quelle: YUMPU).

40 Jahre medical relations

2021 feierte medical relations sein 40-jähriges Bestehen. Vier Jahrzehnte, in denen sich nicht nur die Agentur, sondern auch die gesamte Healthcare-Kommunikation stark verändert hatte.

Während zu Beginn vor allem Pressearbeit, persönliche Kontakte zu Journalistinnen und Journalisten und klassische Medien im Mittelpunkt standen, kamen mit der Zeit digitale Kanäle, Social Media und neue Möglichkeiten der Auswertung hinzu. Auch die Anforderungen an Agenturen wurden vielfältiger.

Zum Jubiläum blickten Gründer Dietmar Müller und Geschäftsführer Oliver Ehrnstorfer auf diese Entwicklung zurück (mehr dazu unter: https://www.healthcaremarketing.eu/­_rubric/detail.php?rubric=10&nr=77029).

Bei allen Veränderungen blieb ein Anspruch jedoch bestehen: medizinische Themen fachlich zu verstehen und so zu kommunizieren, dass sie die jeweilige Zielgruppe erreichen.

Das Ende einer langen Agenturgeschichte

Nach mehr als vier Jahrzehnten geriet medical relations Ende 2024 in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. Als Gründe wurden unter anderem die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sowie Kosten- und Liquiditätsdruck genannt (mehr dazu unter: https://www.prreport.de/singlenews/uid-967742/medical-relations-hat-insolvenz-angemeldet/).

Der Geschäftsbetrieb wurde zunächst fortgeführt. Im Februar 2025 wurde schließlich das Insolvenzverfahren eröffnet. Damit endete die Geschichte von medical relations als eigenständige Agentur.

Was bleibt, sind mehr als 40 Jahre Healthcare-Kommunikation, zahlreiche Projekte und Kampagnen. Und natürlich auch die Erinnerungen der Menschen, die in dieser Zeit Teil der Agentur waren.

Die Verbindung zwischen medical relations und DocRelations

Auch wenn DocRelations kein Nachfolger von medical relations ist und in erster Linie eine andere Zielgruppe anspricht, gibt es, wie eingangs erwähnt, eine Verbindung zwischen beiden Agenturen: meinen eigenen beruflichen Weg. Und zugegeben: Auch die Ähnlichkeit der Firmennamen ist kein Zufall. 😊

Die Idee für DocRelations, einer Agentur für Praxismarketing, entstand während meiner Zeit bei medical relations. Im Rahmen von Ärzteveranstaltungen, die wir für Pharmaunternehmen begleiteten, kam ich als PR-Berater immer wieder direkt mit Ärztinnen und Ärzten ins Gespräch. Dabei wurde mir zunehmend bewusst, wie wichtig es für Praxen und medizinische Einrichtungen ist, ihre Leistungen, Spezialisierungen und Besonderheiten verständlich nach außen zu vermitteln.

Aus diesen Begegnungen entwickelte sich nach und nach die Idee für eine Agentur, die Ärztinnen, Ärzte und medizinische Einrichtungen dabei unterstützt, ihre Leistungen und Spezialisierungen für Patientinnen und Patienten verständlich sichtbar zu machen.

Nach einer weiteren Station in der Healthcare-Kommunikation gründete ich schließlich im Jahr 2012 DocRelations. Dabei konnte ich vieles von dem nutzen, was ich zuvor in der PR-Arbeit gelernt hatte. Das Wissen über strategische Kommunikation, Medienarbeit und die verständliche Aufbereitung medizinischer Themen übertrug ich auf eine neue Zielgruppe: Ärztinnen, Ärzte und Zahnärztinnen und Zahnärzte.

Während Pressearbeit und Medienkontakte zunächst auch einen großen Teil des Agenturalltags von DocRelations bestimmten, beschäftigen wir uns heute primär mit SEO für Ärzte, Steigerung der KI-Sichtbarkeit (GEO), der digitalen Patientengewinnung und Personalakquise im Gesundheitsbereich.

Vieles hat sich verändert. Der Kern der Aufgabe ist trotzdem ähnlich geblieben: medizinische und fachliche Inhalte verstehen, verständlich vermitteln und die Menschen erreichen, für die sie relevant sind.

Wenn Sie eine Verbindung zu medical relations haben …

Vielleicht haben Sie selbst einmal bei medical relations gearbeitet. Vielleicht waren Sie Kundin oder Kunde, Journalistin oder Journalist, Dienstleisterin oder Dienstleister oder auf andere Weise mit der Agentur verbunden. Dann verbinden Sie mit dem Namen vermutlich ebenso wie ich viele Erinnerungen. Auch für diese persönlichen Geschichten soll hier Platz sein.

Denn eine Agenturgeschichte besteht nicht nur aus einem Gründungsjahr, Kundenlisten, Umsätzen oder Auszeichnungen. Geprägt wird sie vor allem von den Menschen, die über viele Jahre mit ihren Ideen, ihrem Engagement und ihrer Arbeit dazu beigetragen haben.

Wenn Sie also noch Bilder, Geschichten oder Informationen aus dieser Zeit haben und etwas zu dieser Chronik beitragen möchten, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Über diese Website / Disclaimer:

Diese Website ist ein inoffizielles Erinnerungsprojekt. Sie steht in keiner gesellschaftsrechtlichen oder organisatorischen Verbindung zur ehemaligen medical relations GmbH und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die verwendeten Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen, persönlichen Erinnerungen, historischen Veröffentlichungen und dokumentierten Presseinformationen.

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1) Archivierte Newsmagazine von medical relations, zu finden unter: https://www.yumpu.com/user/medicalrelations

Oliver Löw
Oliver Löw

oliver.loew@docrelations.de

Oliver Löw ist Geschäftsführender Gesellschafter der DocRelations GmbH.
Er gründete die Agentur im Jahr 2012 zunächst als Einzelunternehmen in Meerbusch bei Düsseldorf. Im Jahr 2013 verlegte er den Firmensitz nach Düsseldorf. 2015 eröffnete er einen zweiten Standort der Agentur in Bayreuth. 2017 wandelte er das Einzelunternehmen in eine GmbH um. Seither firmiert die Agentur als DocRelations GmbH.

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